Stimmen nach dem Wettkampf

Um einen besseren Einblick in die Arbeit des Wettkampfteams zu geben, führte Prof. Mag. Reinprecht zwei repräsentative Interviews mit Vertretern des Damen- und des Burschenteams. Es waren dies Katharina Plattner 4A und Michael Gritsch 3A. Auch mit der Einzelgesamtsiegerin der Alpen-Adria-Olympiade, Franziska Berr 4A, entstand mittlerweile ein Interview, welches wir den anderen voranstellen.

INTERVIEW MIT FRANZISKA BERR

(Goldmedaillengewinnerin bei der Alpen-Adria-Olympiade 2018 im Teambewerb und der Einzelwertung Damen)

 

Inwiefern unterscheidet sich die Alpen-Adria-Olympiade von der Staatsmeisterschaft?

Berr: Die Olympiade ist international. Dann wird bei der Staatsmeisterschaft ein bisschen strenger gemessen. Im Allgemeinen legen bei der Olympiade die Richter auf andere Sachen mehr wert. Bei der Staatsmeisterschaft wird zum Beispiel beim Fallkerb/Fällschnitt genauer gemessen. Außerdem gibt es bei der Olympiade mehr Starter. Die Teamgröße aber ist gleich.

Wieviel Zeit investierst du ins Training?

Berr: Bis zur Olympiade habe ich einmal pro Woche trainiert. Nach der Olympiade habe ich begonnen zweimal zu trainieren, weil ich in die Ausscheidung zur Weltmeisterschaft gekommen bin. Ich fahre jetzt auch einmal pro Woche mit den Burschen mit. Eine Trainingseinheit dauert zwei bis drei Stunden im Durchschnitt.

Wie interpretierst du den Sicherheitsaspekt im Training oder bei den Wettkämpfen? Was ist da zu beachten?

Berr: Durch das Training lernt man einen sichereren Umgang mit der Motorsäge, man lernt, dass man bei Bewerben keine Schrittfehler machen darf, vor allem mit der laufenden Kette. Im Bewerb erhält man Strafpunkte, im realen Leben könnte man sich verletzen. Wir verwenden immer Schnittschutzhosen, Stahlkappenschuhe, Handschuhe und Helm. Beim Bewerb muss man immer ein Erste-Hilfe-Packerl mithaben. Einen Kerzenschlüssel sollte man auch immer mithaben, falls einmal die Kette runterspringt.

Werden Mädchenteams extra gewertet? Wie groß war denn die Teilnehmerzahl bei der Alpen-Adria-Olympiade?

Berr: Es gibt Burschen- und Mädchenteam bei der Olympiade, die alle extra gewertet werden. Bei der Olympiade waren insgesamt 120 Starter davon zirka 30 Mädls (24 in 6 reinen Mädchenteams). Es gab auch gemischte Gruppen, in der Mädchen und Burschen gemeinsam antraten. Diese Teams wurden bei den Burschengruppen mitgewertet.

Was muss man beachten, wenn man die Kettensäge wettkampftauglich macht? Wartung

Berr: Wichtig ist, dass die Motorsäge ganz normal gewartet wird, wie andere auch. Sie soll der Norm bzw. dem Regelwerk entsprechen. Es darf an der Kettensäge eigentlich nicht manipuliert werden. Nach dem Bewerb muss die Kettensäge wieder von jedem selbst gewartet, geputzt und geschärft werden.

Ist nach der Goldmedaille eine WM-Teilnahme schon fix?

Berr: Heuer werden fünf Mädls ausgewählt, die untereinander eine Ausscheidung machen. Von diesen fünf bin ich fix gesetzt, weil ich die Goldmedaille gewonnen habe. Wie viele dann mitfahren können, weiß ich nicht, es kann auch sein, dass wir in einem gemischten Team teilnehmen werden.

Wäre es interessanter, wenn mehr Damenmannschaften bei solchen Bewerben mitmachen würden? Wäre mehr Konkurrenz besser?

Berr: Die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Mädls bei solchen Bewerben teilnehmen ist eher gering, weil es einfach nicht so viele Mädls in den teilnehmenden Schulen gibt.

Kann man Bereiche des Wettkampfes auch in der Arbeitswelt umsetzen?

Berr: Man es nicht wirklich mit der Praxis vergleichen. Allgemein kann man aber sagen, dass man lernt, routinierter mit der Motorsäge umzugehen.

Welche Ratschläge hast du für die kommende Generation von Wettkampfteilnehmerinnen und -teilnehmern?

Berr: Es soll einfach Spaß machen. Wenn man sich dazu gezwungen fühlt, dann kann man einfach nicht mit Leib und Seele dabei sein. Für die Mädls, die neu dazukommen wollen: einfach einmal mitfahren und ausprobieren, und wenn es dann Spaß macht einfach weitermachen. Letztendlich ist alles Trainingssache. Man muss nicht das große Talent sein.

 

INTERVIEW MIT KATHARINA PLATTNER

(STAATSMEISTERIN der Waldarbeit 2017 in der Dameneinzelwertung und Damengesamtwertung, SIEGERIN in der GESAMTWERTUNG bei der 13. Alpen-Adria-Waldolympiade 2018 in Ossiach im Team)

 

Wer kann beim Wettkampfteam mitmachen?

Plattner: Grundsätzlich kann sich jede, die mitmachen möchte, melden, mittrainieren und die besten vier treten dann bei den Bewerben an.

Ist dieser Wettkampf mehr ein Sport oder eine Vorbereitung für die berufliche Praxis?

Plattner: Es ist schon ein Sport, aber man bekommt Routine im Umgang mit der Motorsäge.

Wie bereitet man sich auf einen Wettkampf vor?

Plattner: Wir haben uns so vorbereitet, indem wir viel Spaß im Training hatten, den Zusammenhalt im Team aufgebaut haben, und uns dann auf die Disziplinen intensiv vorbereitet haben.

Wie übt man beispielsweise den Kombinationsschnitt?

Plattner: Zuerst bei den erfahreneren „Schneiderinnen“ zuschauen, sich Tipps geben lassen, selbst ausprobieren und am Schluss Verbesserungsvorschläge der Trainer einholen.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen den nationalen Bewerben (Staatsmeisterschaft) und den internationalen Wettkämpfen (Alpen-Adria-Olympiade)?

Plattner: Es gibt vorher immer eine Schiedsrichter-Besprechung, bei der auf die wichtigsten Regeln hingewiesen wird, um ein einheitliches Schiedsrichterurteil zu erreichen. Bei den internationalen Bewerben wird meist ein nicht so strenges Regelwerk angewendet.

Findet das Training in der Freizeit statt?

Plattner: Es ist schon so, dass man die Freizeit „opfert“, aber das Training bietet einen guten Ausgleich zum restlichen Schulalltag. Je nach Laune und Nähe zum Wettbewerb wird das Training intensiver. Entweder sind wir eine Stunde am Trainingsplatz oder auch drei. Im Durchschnitt kann man so zwischen 2-3 Stunden pro Woche rechnen.

Es ist also auch in der Maturaklasse möglich, dieses Hobby auszuüben?

Plattner: Ja, solange der Lernerfolg nicht darunter leidet, ist auch das möglich.

Wie ordnest du dich in dieser Männerdomäne ein? Ist dieser Sport eine Art Beweis, dass Frauen hier auch erfolgreich sein können?

Plattner: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich unter den Männern beweisen muss, allerdings ist es genugtuend, wenn man mal ein paar Burschen leistungsmäßig hinter sich lässt.

Gibt es einen Unterschied zwischen Damen- und Burschenmannschaften?

Plattner: Ein Unterschied ist schon vorhanden. Besonders in unserem Mädchenteam wird viel Wert auf Spaß und Kameradschaft gelegt. Die Burschen nehmen alles etwas ernster und trainieren auf Perfektion, auf jeden Millimeter.

Hast du vielleicht Tipps oder Ratschläge für die nachfolgende Generation an Wettkämpferinnen und Wettkämpfern für unsere Schule?

Plattner: Spaß dran haben, sonst wird’s nix. Holt euch von den erfahrenen Wettkämpfern Ratschläge und setzt sie um.

 

INTERVIEW MIT MICHAEL GRITSCH

(BRONZEMEDAILLIENGEWINNER in der GESAMTWERTUNG bei der 13. Alpen-Adria-Olympiade 2018 in Ossiach)

 

Wie funktioniert die Anmeldung zum Team?

Gritsch: Am Anfang des Jahres gibt es eine unverbindliche Möglichkeit zur Anmeldung. Dieses Jahr haben sich 12 Burschen angemeldet.

Wie oft sollte man für den Wettkampf trainieren?

Gritsch: Zweimal die Woche sollte trainiert werden, dann gibt es eine teaminterne Ausscheidung und die besten vier fahren dann zum Wettkampf.

Ist das Training zeitintensiv?

Gritsch: Ja, es ist schon sehr zeitintensiv. Ich bin zweimal die Woche hingegangen, das heißt, dass ich zirka mit Trainieren und Herrichten 5-6 Stunden investiert habe.

Welche Bewerbe trainierst du?

Gritsch: Fallkerb- und Fällschnitt, Kombinationsschnitt, Präzisionsschnitt, Kettenwechsel und Entasten, also alle fünf. Entasten haben wir allerdings nur in der Woche vor dem Wettkampf geübt.

Gibt es jemanden, der sich nur auf eine Disziplin spezialisiert?

Gritsch: Es würde nicht viel Sinn machen, weil das wichtigste bei den Bewerben ist, eine gute Mannschaftsleistung zu erzielen, denn es ist ein Teambewerb.

Es gibt aber Einzelmedaillen, wie ist das zu erklären?

Gritsch: Es gibt natürlich für jeden der Bewerbe eine Einzeldisziplinwertung. Die Wertung ist aber eine Gesamtwertung in der Disziplin, in der Mädchen und Burschen gemeinsam gewertet werden, also ein Mädchen kann also zum Beispiel im Fallkerb- und im Kombischnitt auch Einzelsiegerin vor den Burschen werden.

Wie oft kann ein Schüler teilnehmen?

Gritsch: Solange man in der Schule ist, gibt es bei der Alpen-Adria-Olympiade kein Limit, bei der Staatsmeisterschaft jedoch maximal zweimal.

Lenkt das Training vom Lernen ab?

Gritsch: Ja schon ein bisschen, man muss halt so denken, dass es ein Hobby ist, wenn also einer am Nachmittag Fußballspielen geht, dann ist das halt seine Freizeit. Wir trainieren ja in unserer persönlichen Freizeit. Lernen muss man halt trotzdem.

Wie trainiert man z. B. den Kettenwechsel?

Gritsch: Wichtig ist, dass man den Ablauf schön langsam lernt, das ist das Grundlegende; dann lernt man die Technik, dann soll man schneller werden.

Sind beim Kettenwechsel Zeiten unter 10 Sek zu schaffen?

Gritsch: Ja, das kommst schon vor, bei dieser Olympiade war die Siegerzeit 11,36 Sekunden.

Ist der Wettkampf als Praxis für die Arbeit zu sehen?

Gritsch: Nein, es ist nicht das Gleiche. Aber man lernt den Umgang mit der Motorsäge, und bekommt ein besseres Gefühl für die Säge.

Was sind deine Pläne für die nahe Zukunft?

Gritsch: Ich will auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei sein und versuche auch im nächsten Jahr gute Leistungen zu erzielen.

Bist du bei der Staatsmeisterschaft im April dabei?

Gritsch: Das ist nicht sicher, denn es gibt wieder eine Ausscheidung.

 

Veröffentlicht am 20.03.2018

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